und das mit Gott rund um die Welt

das Alltägliche

In Porto Alegre hat mich nun der Alltag wieder eingeholt. So beschäftige ich mich unter der Woche vor allem mit der portugisischen Sprache auf unterschiedlichster Art und Weise.

Montags bereite ich mich hauptsächlich auf meine Sprachpruefung Ende April vor. So trainieren wir in einem Internationalen Sprachkurs 5 Stunden lang das Verständnis von Radiosendungen und Fernsehberichten in leserfreundliche Texte zu verarbeiten, aber auch über alle Alltagsthemen eingehende Gespraeche zu führen, sowie Aufsätze und Leserbriefe zu schreiben.

Dienstags widme ich mich dann den universitären Aufgaben und Hausarbeiten. Nebenher ist dies auch der Tag, an dem ich die unterschiedlichsten Exkursionen unternehme. So geht es beispielweise demnächst in ein Frauengefängnis mit angeschlossener Kinderkrippe oder in eine offene Schule in eine Kommunität (Favela) der Stadt.

Ab Mittwoch beginnen meine Pflichtveranstaltungen. So belege ich hier das Fach “Erziehung, Gesundheit und Körper” Ich finde es spannend darüber nachzudenken, welchen Erziehungsaugftrag wir haben und wie wir ihn bisher wahrnehmen in diesem Bereich. Der Kurs ist für mich jede Woche eine Horizonterweiterung, wenn er auch nicht ganz mein Weltbild widerspiegelt. Die kleinen wöchentlichen Provokationen zu dem Thema regen aber auf jeden Fall zum Nachdenken an, sowie dazu sich Positionen zu den einzelnen Themengebieten zu erarbeiten.

Jeden Donnerstag widme ich mich meinem Hauptschwerpunkt in der Erziehungswissenschaft: der Heil- und Sonderpädagogik. Vormittags beschäftige ich mich mit der “Erziehung in Exklusion und Inklusion. Hier behandeln wir die herausfordernden Fragen, wie eine Ehe von geistig Schwerstbehinderten, ihre Selbstständigkeit und der Wunsch nach den eigenen 4 Waenden, sowie einem gleichwertigen Studium gestaltet werden können. Am Abend hingegen setzte ich mich mit dem Fach “Interventionspädagogik und die Notwendigkeit von Sonderpädagogik” auseinander. Das spannende an diesem Kurs ist die Interdisziplinarität sowie die Alterspanne der Anwesenden. Diesen Kurs besuchen viele aktive Lehrer, die gerade noch ihre Ausbildung zu ihrem Beruf nachholen. Unser Kurs ist eine gute Mischung aus Mathe- und  Geografielehrern sowie Theater- und Erziehungswissenschaftlern. Dieser Kurs beinhaltet auch eine interkulturelle Perspektive. Da der Dozent in Italien studiert hat und uns ein breites Wissen an unterschiedlichen internationalen Herangehensweisen vermittelt.

Die Woche wird schliesslich durch den 4stuendigen Kurs “Erziehung und Gesellschaft” abgerundet. Jeden Freitag gehen mir neue Kronleuchter auf, was meine eigene bzw. kontrastweise die brasilianische Kultur ausmacht. Die Herausforderung besteht dann darin, die neuen Erkenntnisse in der eigenen Pädagogik zur Anwendung zu bringen.

Neben den Kursen kommt die Sprache jeden Tag in vielen Begegnungen mit Studenten zum Einsatz. Gerade der gemeinsame Gang zur Mensa lässt unsere Beziehungen über den Studienalltag hinaus vertiefen. Aber auch im regelmäßigen gemeinsamen Capoeiratraining wachsen die Freundschaften. Dabei besteht meine neueste sprachliche Herausforderung im portogiesischen Gesang bzw. in dessen Improvisation, durch Einflächtung von aktuellen Begebenheiten zur instrumentalen Begleitung.

Wie ihr seht ist das Alltägliche doch sehr abwechslungsreich, wenn auch herausfordernd. Gerade im Bezug auf den Unialltag, da mein tägliches Lesepensum 50 Seiten pro Tag betragen. Hinzu kommt, dass mir noch sehr, sehr viele Vokabeln fehlen (gerade im Kananäisch), doch so wird auf jeden Fall meine Kreativität im beschreiben von Prozessen und Gegenständen gefördert- manchmal sogar grafisch ;-) .

April 7th, 2009 at 13:56 | Comments & Trackbacks (0) | Permalink


aus der Naturapotheke schoepfen

Spätestens seit meinem Aufenthalt in Bahia, habe ich eine Vorliebe für Früchte entwickelt. Gerade im Nordosten gibt es eine riesige Auswahl an tropischen Früchten, die aber auch die unterschiedlichsten Reaktionen im Körper hervorrufen koennen.

Obsthändler

Obsthändler

So kann man in Tagen, in denen man durchhängt bzw. nach einem arbeitsreichen oder anstrengenden Trainingstag einen sogenannten Açai-Tigel mit Bananen (Melone oder Ananas) geniessen. Mit diesem eisartig servierten Fruchtkompott kehren die aufgebrauchten Kräfte ca. nach einer 1/2 bis 1h wieder zurück. Eine ähnlich belebende Wirkung besitzt auch Maracuja- Fruchtsaft. Allerdings ist Vorsicht! mit den Kernen geboten. Mit ihnen kann man die belebende Wirkung invertieren, weil sie sich als optimale Einschlafhilfe ;-) erweisen. Mamão dagegen ist ein perfektes Abführungsmittel, falls einer von euch mal an Verstopfung leiden sollte. Hier gibt es aber noch eine Menge andere Früchte, dessen Geschmack für mich eine ganz neue Erfahrung waren.

die Mischung macht´s

die Mischung macht´s

Mein neustes Hobby ist nun, alle möglichen Früchte zusammen zu Fruchtsäften zu verarbeiten. Habt ihr schon mal einen Mango- Melonen- Saft getrunken? Oder einen Maracuja- Bananen- Saft? Aber auch eine einzelne Frucht ist  ein Hochgenuss. Falls ihr mal etwas ausprobieren wollt, hier ein Vorschlag von mir:

Man nehme einen Massbecher und fuelle ihn mit Wassermelone bis ca. 600ml auf. Dann gebe man ca. 1200ml Wasser dazu und lasse den Mixer das seinige tun.Wer es suesser mag, reichert den Fruchtsaft noch etwas mit Zucker an. Das Mischungsverhaeltnis koennt ihr aber auch gern anders ansetzen :)

P.S.: Uebrigens wird in Bahia dieser oder andere Fruchtsaefte zusammen mit einem Broetchen mit Magarine gern als Abendbrot serviert.

April 7th, 2009 at 12:55 | Comments & Trackbacks (0) | Permalink


Saudade de Salvador

Inzwischen sind meine 2 Monate Praktikum in Salvador leider vorbei :( und ich kann sehr dankbar auf eine prägende, herausfordernde und erfahrungsreiche Zeit zurückblicken. An meinen letzten Arbeitstag hat man für mich sogar noch eine Überraschungsabschlussparty organisiert, wobei ich vollkommen überfordert war, als sich über 70 Leute von mir verabschieden wollten. Das Schönste war, als an der Wand in deutsch stand: “Bis bald! Wir vermissen dich…”

Einen kleinen Einblick, wie tief auch kurze Freundschaften gehen können, bekomme ich mit an Hand von Mails.  Zum Beispiel schrieb mir mein Freund,  dass die Tage eine Mutter in den Unterrichtsraum gekommen ist und anfing zu weinen.  Sie erzählte ihm von unseren Begegnungen während meines Praktikums und dass sie mich ganz einfach vermisst…  auch meine ganzen  “Was ist das?”  Fragen, welche uns alle sehr oft zum Schmuzeln gebracht haben. Habt ihr beispielsweise einmal versucht “Semmelbrösel in einer Fremdsprache zu erklären? 

Salvador konnte ich letztendllich von 3 Ebenen kennenlernen:

  • 1 Ebene, als Tourist, welcher einfach von der historischen Stadt und ihren natürlichen, kulturellen und baulichen Schönheiten faziniert ist und von der scheinbaren Gemütlichkeit der Bewohner in den Bann gezogen wird.
  • 2 Ebene, als hängengebliebener Tourist, von denen es in Salvador sehr viele gibt. Viele Touristen kommen mal für 3 bis 4 Tage nach Salvador und bleiben dann doch Monate, wenn nicht sogar Jahre, da. Man fängt an zu leben, kennt die Menschen in seinen Wohnviertel – zumindestens vom Sehen und weiss, wo man gut einkaufen gehen kann, bzw. auch welche Busse wohin unterwegs sind. Die Hängengeblieben sammeln sich unter anderem im Bispo, einem alternativen Haus, welches durch seine Bewohner sehr international besetzt und mit Brasilianern durchmischt ist. Tagsüber wird den unterschiedlichsten Beschäftigungen nachgegangen, z.B. machen viele in Salvador eine Tanz- und Choreografieausbildung oder lernen bzw. spielen Capoeira .
  • Die 3 Ebene kam für mich eher ungeplant, das Leben als Fremder unter Einheimischen. Diese Station war für mich eine ganz neue Situation. Sämtliche Frauen nahmen mich herzlich in ihren Alltag mit auf und brachten mir viele nützliche Sachen bei. So lernte ich immer wieder neue Dinge, z. B., wie man Wäsche auch noch professionell mit den Händen waschen kann, was die typischen und traditionellen Speisen von Bahia sind und wie man sie zubereiten kann.  Auch eine Unzahl an neuen Früchten und Gemüsearten  lernte ich in Salvador kennen. Es gab mir  insgesamt einen Tiefenblick in das bahianische Leben zu Hause, in der Familie, auf Arbeit, beim Sport und in der Freizeit. Ich, als Deutsche, habe dazu noch eine gehörige Portion an gelebter Gastfreundschaft erfahren dürfen.

Leider hat alles ein Ende und so auch mein Aufenthalt in Salvador. Inzwischen hat die Uni in Porto Alegre wieder angefangen und ich habe die Woche meine Wohnungssuche beenden duerfen. Fuer die naechste Zeit wohne ich einer genialen Bibliothek, welche zum Lernen anregt. Die Sonne musste ich nun gegen ein mehr oder weniger Regenwetter eingetauschen. Auch habe ich einen kleinen Schlag bekommen, was den Wechsel von den gastfreundlichen und herzlichen Bahianern zu den doch sehr steifen und distanzierten Gauchoas betrifft. Mit dem Uni- Start haben auch zwangsläufig meine Online-Zeiten wieder stark zugenommen. Von nun an werdet ihr von hier aus wieder etwas regelmässiger auf dem Laufenden gehalten. Entschuldigt, dass die letzten Monate etwas spärlich und still an Informationen verlaufen sind. Demnächst wird es auch wieder farbenfroher,  dank meiner neuen Kamera :) .

März 24th, 2009 at 16:33 | Comments & Trackbacks (0) | Permalink


Auf der Buehne

Ein österreicher Mitbewohner beschrieb unser Leben in Salvador als eine große Theaterbühne, wo jeder seine Rolle spielt. Wobei ehrlich gesagt, manche Geschichten bereits filmreif sind und nicht besser vom Leben hätten beschrieben werden können. Mehr dazu, wenn ich wieder daheim bin. Die Einheimischen fassen in der Aussage -“Jeder Bewohner Salvadors ist ein Artist” – zusammen, was wirklich wahr ist. Man trifft fast keinen Einheimischen, der nicht wenigstens ein bißchen Capoeira spielen kann und sich zu afrobrasilianischen/ Samba Rhythmen bewegt.

Da wären wir auch bereits beim Thema. Momentan hat sich die Stadt in viele verschiedene Bühnen verwandelt und man hört nur von allen Seiten : Feliz CARNEVALL!!! (fröhlichen Karneval) In manchen Dingen sind uns die Brasilianer etwas voraus. Am Freitag haben wir Integration gelebt und sind mit unseren Bewohnern des CRPD und den älteren Bewohnern des Krankenhauses, welche fit genug waren, in einem Block durch die Straßen Salvadors bei afrobrasilianischen- und Sambarhythmen gezogen. Für mich ist es immer wieder ein Wunder, wie – eigentlich sehr steife Personen – auf einmal nicht mehr aufhören können, ihre Schultern und wenn möglich Hüften zu shaken, sobald der Sambarythmus ertönt.

Februar 27th, 2009 at 00:12 | Comments & Trackbacks (1) | Permalink


Wie das Leben spielt

Nachdem ich den Sumpf der Gemütlichkeit verlassen hatte, steuerte ich Refice an. Sehr schnell mußte ich feststellen, daß diese Stadt ihrem Ruf als drittgefährlichste Stadt Brasiliens wirklich gerecht wird und man allgegenwärtig diese Gefahr spürt. Eine interessante Erfahrung war, daß in diesen Tagen besonders viele an mich gedacht haben, bzw. auch das Gefühl hatten, um Bewahrung zu beten. Vielen Dank dafür, ich bin bewahrt geblieben!!!  Aus diesem Grund verließ ich die Stadt auch sehr schnell wieder. Richtig erholsam war es dagegen mit vielen tollen Stränden und  einem ganzen Markt an Hängematten :) in Fortaleza.   Auch einen gewissen Einblick in das nordöstliche Familienleben durfte ich nebenbei bekommen, sowie einen ersten Krebs knacken :) .  In dieser Zeit wurde fast das Unmögliche möglich. Ich erhielt einen Anruf, wir haben einen Praktikumsplatz für dich. Kannst du so schnell wie möglich vorbei kommen und mit den Chefs reden? So Schnell wie moeglich waren für mich “nur” 22h Busfahrt bis nach Salvador.

Letzten Dienstag war dann alles besiegelt. Ich werde die nächsten 2 Monate in einem Krankenhaus mit angegliederten Therapiezentrum im Freizeitsbereich tätig sein.  Momentan sind hier Ferien, weshalb unsere Freizeitbeschäftigung sehr häufig auch aus Strand- und Kulturausflügen besteht :) .  Ab Februar, wer hätte das gedacht, besteht mein hauptsächliche Aufgabe darin, Capoeira mit zu der unterrichten :) . Besonders spannend finde ich die Kombination, daß ich sowohl mit körperlich und geistig behinderten Menschen Capoeira trainieren werde, als auch mit den Kindern und Jugendlichen in den Favelas spielen darf. In der Mittagspause bekomme ich dann meine eigene Capoeira-Einheit von einen Capoeira-Professor.  Momentan bin ich gerade auf der Suche nach meinen Muskeln und wenn ich sie irgend wann einmal finden sollte :) , werde ich auch mein ganzes Körpergewicht auf den Handgelenken lagern können. Nebenbei musste ich ihm noch erklären, daß es für uns nicht ganz so selbstverstaendlich ist wie hier, daß alle auf den Händen stehen, bzw. laufen können. Weil mein Praktikum einfach mal der Hit ist, wird nach Dienstschluss für die Mitarbeiter  noch ein Tanzkurs angeboten. So heisst es dann ab 18 Uhr- sich ganz auf die Rhythmen von Lambada, Salsa, Samba, Chachacha & Co.  einzulassen.

Januar 23rd, 2009 at 22:33 | Comments & Trackbacks (7) | Permalink


Sumpf der Gemütlichkeit

Überall in Bahia findet man die Aufforderung wieder “Lächle!!! :) ”  Der ein oder andere fragt sich, wieso? Die Antwort findet man an der südlichen Grenze: “Lächle, Du bist in Bahia!” Zunächst kommt man mit den Bus an kleinen Indianerdörfern vorbei und schon  fühlt man sich in eine etwas andere Welt versetzt. Ein paar Kilometer weiter gibt es historisch bedeutsame Kolonialstädte, in denen Geschichte greifbar nah wird. Über Jahrhunderte wurde hier ein krasser Sklavenhandel betrieben und 1888 wurde hier das Verbot des Sklavenhandels ebenfalls unterschrieben. Auch Zumbi, für Afrikaner ein Symbol der Freiheit, schrieb in dieser Gegend Geschichte, indem er einen großen Sklavenaufstand anführte.  Die weiße Frau beispielsweise, ist eine Seltenheit an sich. Die vorherrschende Hautfarbe ist schwarz, bzw. Schoko braun und da lernt man ganz nebenbei als Weißer im Kleinen mal kennen, was es heißt, eine andere Hautfarbe zu besitzen. Es ist aber ein Glück, daß es Freunde gibt, die für einen einstehen. :)

Die afrikanischen Wurzeln lassen sich leicht auch  in der vorherrschenden Religion Candomblé finden. Diese Religion spiegelt für mich im wahrsten Sinne des Wortes das Alte Testament der Bibel wider. Das fängt bei Speiseopfern an und hört bei Tieropfern auf. Eine besondere Rolle nehmen dabei auch Pflanzen, Kleidung, Schmuck und Düfte ein. Nebenbei lernte ich auch, dasß ich echt dankbar sein kann, daß Jesus das ultimative Opfer ist, weshalb nicht ständig neue Opfer mehr nötig sind. Ich finde  es überhaupt sehr angenehm, daß  alles in der Bibel niedergeschrieben ist und man sich nicht auf die Erzählungen der “Alten” verlassen muß, sowie daß man sich ganz auf einen lebendigen Gott konzentrieren kann, statt sich mit einem ganzen Goetterhimmel auseinandersetzen zu müssen.

Wieso lautet die Ueberschrift nun “Sumpf der Gemütlichkeit”? In Bahia ist das Leben immer leicht – maximal die Leute sind kompliziert, so die Bahianer. Am Anfang war dieses lockere, herzliche Lebenes nach der Uni für mich wirklich Erholung. Doch wenn man, wie ich vielleicht  auf der Suche nach einem Praktikum ist, stößt man schnell an seine Grenzen, weil alles so gemütlich ist: wenn es heute nicht klappt, dann vielleicht morgen. Das Wichtigste ist eigentlich immer nur, gelassen zu bleiben. Dummerweise, führt die Gelassenheit aber zu nichts, denn man wird immer nur mit einem guten Gefühl und einer neuen Hoffnung in den nächsten Tag entlassen. Ich denke, wir können aber trotzdem von den Bahianer lernen, daß nicht alles kompliziert sein muss. Es gibt immer Momente, wo es am besten ist einfach loszulassen und wirklich mal abzuwarten, wie das Leben so spielt. Auf der anderen Seite sollten wir Planung und zielgerichtete Umsetzung unsererPläne ruhig beibehalten. Lasst uns neu lernen, unser Leben bewußt zu leben und das Lachen nicht zu vergessen!

In diesem Sinne wünsche ich euch ein energiereiches, frohes und friedvolles Jahr 2009
(so lauten die Wünsche hier in Bahia :) !!!

Januar 9th, 2009 at 19:09 | Comments & Trackbacks (0) | Permalink


Feliz natal

Weihnachten einmal anders. Mir ist dieses Jahr bewusst geworden, wie Weihnachten in meinen Kopf mit vielen Traditionen verbunden ist. Sie sind für mich ein fester Bestandteil v0n Weihnachten, wie beispielsweise die Deko (Erzgebirgische Schnitzereien inklusive Räuchermännchen), einem echten Tannenbaum, Stollen, Gebäck, einem heißen Tee oder leckeren Kaffee.

Kaffee haben wir hier auch, doch dieser wird meistens lieber gegen eine eisgekühlte Kokosnuss am Strand oder einen frisch hergestellten Maracuja oder Ananassaft eingetauscht. Wo wir gerade beim Thema Strand sind, so zieht es mich bei Temperaturen von bis zu 40°  immer wieder an die glasklaren Strände von Salvador. Und wenn man man schon einmal da ist, sind die Wellen so verlockend, dass ich inzwischen die ersten Surfversuche unternehme. In den Abendstunden hingegen werden die neusten Bewegungen von Capoeira  am Strand trainiert bzw. einfach gespielt bis mal wieder eine Abkühlung im Wasser fällig wird. So bald es dunkel wird erscheinen die bunten Weihnachtslichter an den Palmen  bzw. bilden einen durchsichtigen Tannenbaum. Dass es Weihnachtet erkennt man ansonsten nur an der Werbung, den Styroporschnee im Kaufhaus und den Nikolausmützen der Verkäufer.

Weihnachten ist hier eine Frage der Religion und somit auch nicht besonders vordergründig. Stattdessen wünscht man dem diesjährigen Jahr eine gute Reise und veranstaltet viele Feste zum Jahresabschluss.

Was mir dieses Jahr wichtig geworden ist: ich feiere nicht Weihnachten wegen des Konsums und der Tradition, sondern die Geburt Jesus Christus, wodurch sich  in der Welt sehr viel verändert hat. Gott ist Mensch geworden. Er ist ein Gott der Begegnung, welcher sich für uns hingegeben hat am Kreuz, damit wir ihm jeder Zeit begegnen können.

Ich wünsche euch allen das Weihnachten ein Fest der Begegnung wird mit Gott und anderen Menschen und das wir neu ins Staunen geraten, wie groß und doch nahbar unser Gott Jahwe ist.

P.s.: Per Mail wird leider keine persönliche Weihnachtsgrusssendung erfolgen, da meine Adressdatei leider nicht mehr im PC auffindbar ist :( .

Dezember 23rd, 2008 at 18:33 | Comments & Trackbacks (1) | Permalink


Zwischen Seifenschaum…

Weißt du eigentlich wie schön du bist? Und das ist keine Frase, oder ein inzwischen sehr viel verwendeter Buchtitel, sondern eine ernst gemeinte Frage von ner Frau. Sie genießt es unter meiner Aufsicht seit langem mal wieder unter einer Dusche stehen zu dürfen. Diese Begegnung hat mich vor einer Weile geprägt, als ich schon einmal feststellte, welche Schönheit auch Obdachlose besitzen. Zu dem fand ich das Bild so klasse, wie man sich über frische und neue Kleider freuen kann. Das brachte mich damals zum Nachdenken, ob wir uns im übertragenen Sinne auch noch über das neue Gewand von Jesu freuen- Wir sind ja schließlich eine neue Kreatur in IHM und dürfen saubere, frische Kleidung tragen, während wir das alte Gewand abgelegt haben.

Seit dieser Begegnung ist schon viel Zeit vergangen. Als ich heute eine hiesige Professorin bei ihrer Arbeit in 2 verschiedenen Favelas begleitet habe, wurde mir die gleiche Frage wieder gestellt. Überraschender Weise war ich in dem Moment gerade am Staunen, wie schön und einzigartig Gott jeden Menschen geschaffen hat. Auch wenn es vielleicht nicht gerade das nächste Topmodell wird, doch die Einzigartigkeit, die jeder unserer Klienten ausstrahlt, finde ich spannend. Dabei haben diese Menschen nicht die einfachsten Lebensumstände, wissen was es heißt zu Hungern und zu Frieren.

Mich hat dieser Einblick in die Arbeit sehr fasziniert, weil in ihr einfache Wahrheiten auf den Punkt gebracht werden. Einmal drücken sie diese selbst durch ihr Leben aus, doch auf der anderen Seite werden die einfachsten Dinge zur Arbeitsgrundlage und die eigene Kreativität ist gefordert. Auch wurde mir neu bewusst, dass ich nicht all meinen Habitus als selbstverständlich voraussetzen kann, sondern, dass die Kunst darin liegt, einfach Dinge klar, liebevoll und erklärend- ohne das Ehrgefühl zu verletzen- anzusprechen.

Ein weiterer Punkt der mich immer wieder ins Staunen bringt, ist die spielerische Leichtigkeit mit der diese Leute ihr Leben leben. Es ist der Hammer, wie viel Herzlichkeit und Freude trotz der Härte des Lebens vorhanden ist, welche z.B. im Karneval ihren Ausdruck findet.

November 27th, 2008 at 17:54 | Comments & Trackbacks (0) | Permalink


Die Welt zu Gast bei Freunden- Teil 2

Dass das wirklich so ist, habe ich die letzten 1,5 Wochen ganz oft spüren dürfen. Auf dem Weg nach Rio de Janeiro unternahm ich einen Abstecher nach Paranti. Ein kleines Fischerdorf, dass seinen ganz eigenen Seharm besitzt. Beim Betrachten durch ein Fenster der verschiedensten Kunstwerke, wurde ich mit meinem ganzen Gepäck von der Künstlerin hereingebeten. Nach einem kurzen Gespräch stellten wir beide unser Interesse an anderen Kulturen fest und hatten einen regen Austausch. Damit mir die Erkundung der Kleinstadt leichter fiel, durfte ich mein Gepäck bei ihr unterstellen. So konnte ich die Hafenstadt viel besser geniessen und auch weitere Künstler in ihren Ateliers besuchen. Am Abend erhielt ich neben meinen Gepäck auch eine gesunde Wegzerrung ;-) .

Parati

Parati

Strassenleben

Strassenleben

Am folgenden Tag machte ich mich zur Ilha Grande (eine ehemalige Gefängnisinsel) auf, welche einfach atemberaubende Strände besitzt, die von Wald/ Dschungel umgeben sind.

Ilha Grande

Ilha Grande

Der Kontrast erfolgte daraufhin in Rio de Janeiro. Ein wenig habe ich ja bereits über die Stadt geschrieben. Sie erhielt ihren Namen, als im Januar 1502 Gaspar de Lemos eine große Bucht Brasiliens fand und sie irrtümlich als Fluss identifizierte. Rio war bereits im 17. Jhd., nach Salvador da Bahia und Recife, die drittwichtigste Stadt der Portugiesen in Brasilien. Kurz vor dem Einmarsch von Napoleon in Lissabon floh Portugals Kronprinz Dom João VI. mit seinem gesamten Hofstab nach Brasilien. Dabei verliebte er sich so sehr in die Stadt, dass er seine Regierungstätigkeiten über das vereinigte Königreich Portugals, Brasilien und Algarve von Rio aus verwaltete. Bevor die Regierung in ihre eigens kreierte Hauptstadt Brasilia umzog, blieb Rio bis 1960 die politische Hauptstadt Brasiliens. Durch sehr viele Einwanderungswellen entwickelten sich überall auf den Hügeln Rios Favelas, so dass ein gewisses Gefahrenpotential überall in der Stadt lauert. Da aber Menschen eine Stadt prägen, durfte ich mit Sonja den inneren Atem Rios spüren. Sie zeigte mir die Stadt und angesagte Sambaadressen. Nebenbei haben die Rioanerinnen mir eine Prise Samba mit ins Blut gestreut, wobei ich sie echt für ihre Ausdauer bewundere!!! Für mich war es sehr beeindruckend zu sehen, dass selbst 5 Jährige nicht still stehen können, wenn Nachts gegen 23 Uhr Samba-Live-Musik gespielt wird und die Väter keinen Zweifel dran lassen, dass sie die wahren Prinzessinnen sind.

Bibliothek

Bibliothek

Theater und Belas Artes

Theater und Belas Artes

Antike Strassenbahn& moderne Kirche im Hintergrund

Antike Strassenbahn& moderne Kirche im Hintergrund

Christo Redertor

Christo Redentor

Aussicht von Christo Redentor

Aussicht von Christo Redentor

Pão de Açucar

Aussicht vom Pão de Açucar

Das Kontrastprogramm dazu war Ouro Preto, eine alte Konionalstadt, welche den Reichtum der einstigen Goldfunde widerspiegelt, aber leider auch die Leidensgeschichte vieler Sklaven. Auf den Weg dahin wurde mir die Gastfreundschaft einer deutschen Immigrantin zu teil, welche mir ihr Fahrrad auslieh damit ich ihre Stadt besser erkunden konnte und mich anschliessend zum Mittag einlud, so dass ich den Genuss der ammazonischen Küche kennenlernen durfte. Diese unterscheidet sich sehr stark von dem, was ich bis dahin kennengelernt hatte. Sehr viel Gemüse und fischhaltig mit viel mehr exotischen Früchten, die aber seeeehr lecker schmecken. In Ouro Preto beeindruckte mich am meisten eine Jesusstatue, welche die Liebe Jesus so klar auf den Punkt gebracht hat- wie noch nie zuvor. Der gekreuzigte Jesus umarmt den Sünder und schaut ihn mit liebenden Augen ins Gesicht bzw. weiter zu der Person, welche frontal zu der Statue steht. *Wow* wir haben echt einen Gott der uns ansieht, uns wertschätzt und uns liebt. Wobei diese Liebe über den Tot hinausreicht. Am Abend schloss ich Bekanntschaft mit einem Franzosen und einer Engländerin, die sich in Thailand kennen- und lieben gelernt haben. Gemeinsam verbrachten wir einen bunten Abend im Kreise von Brasilianern. Unser Sprachgewirr war echt spannend, so versuchte der Franzose sich mit den Brasilianern, anhand seiner Muttersprache und ein paar Brocken Reisespanisch,  zu unterhalten – Aber es funktionierte ;-) ! Auch erhielt ich, dank eines lieben Brasilianer, eine weitere Einführung in brasilianische Musik. Gemeinsam übersetzten wir etliche Texte und im Anschluss durfte ich mit in der ersten Reihe sitzen, wie er mit seinen Freunden ihre Gedanken des Herzens in Musik verwandelte.

Ouro Preto

Ouro Preto

Als kurzen Zwischenstopp steuerte ich Brasilia an, doch selbst das hat sich noch nicht einmal gelohnt. Brasilia ist eine der Fussgängerunfreundlichsten Städte, die ich bis jetzt kennen gelernt habe. Nicht nur das die Gebäude sehr weit voneinander entfernt liegen, so zäumen viel grosse umbeschattete Plätze die Zwischenräume. Doch junge Einheimische lieben ihre Stadt trotz allem, vielleicht gerade auch wegen ihrer Einmaligkeit. Diese Stadt wird gern als die Stadt des 3. Jahrtausends bezeichnet und ist eine Erfindung des Architekten Oskar Niemeyers. Sie wurde innerhalb von 41 Monaten aus den Boden gestampft und besitzt somit keinerlei Geschichte, was man leider zu spüren bekommt. Noch heute wird nach den Plänen von Niemeyers in Brasilia weitergebaut. So gibt es strikte Vorgaben, damit die “historische Stadt” als Grundriss eines Flugzeuges erhalten bleibt. Am 21. April 1960 fand offizielle Verlegung der Hauptstadt ins Landesinnere nach Brasiliá statt.

Kongress

Kongress

Katedrale

Katedrale

Die letzten Tage meines eigentlich ungeplanten Reisens verbrachte ich im Pantanal. Eine Zeit die ich echt nicht missen möchte und dich mich auch sehr geprägt hat. So war es wie ein “Sommerlager für Fortgeschrittene”, abei dem ich als Teilnehmer dabei war. Auf unserem Plan stand eine Dschungelwanderung, Jeep- und Wasserboottour, Angeln und wenn man mehr Zeit hatte auch ein Ausritt in die umliegenden Feuchtgebiete.  Ich durfte meinen ersten Piranhafisch angeln unter der Beobachtung von Kaimane, mit denen man -wer mag- schwimmen konnte. Außerdem konnte ich Bekanntschaft schliessen mit:

Ara

Ara

Tukan

Tukan

Affenmama

Affenmama

Jabiru

Jabiru

Kaiman

Kaiman

Pantanal

Pantanal

(Quellen: Lonely Planet: Brasilien, Juni 2008)

November 4th, 2008 at 00:09 | Comments & Trackbacks (1) | Permalink


Das Leben

… spielt manchmal anders, als man denkt. So ziehe ich jedenfalls das Fazit von meinen kurzweiligen Praktikum bei der Cena. Bereits nach 5 Tagen bin ich wieder gegangen, mit sehr vielen Eindrücken, Erlebnissen und viel Stoff zum Nachdenken. Gelernt habe ich viel und es hat mir auch einen Anstoß für ein eventuelles Diplomarbeitsthema gegeben. Die Kürze der Begegnung hat verschiedene Gründe, aber es ist gut so, wie es ist.

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Oktober 21st, 2008 at 09:34 | Comments & Trackbacks (3) | Permalink