Saudade de Salvador
Inzwischen sind meine 2 Monate Praktikum in Salvador leider vorbei
und ich kann sehr dankbar auf eine prägende, herausfordernde und erfahrungsreiche Zeit zurückblicken. An meinen letzten Arbeitstag hat man für mich sogar noch eine Überraschungsabschlussparty organisiert, wobei ich vollkommen überfordert war, als sich über 70 Leute von mir verabschieden wollten. Das Schönste war, als an der Wand in deutsch stand: “Bis bald! Wir vermissen dich…”
Einen kleinen Einblick, wie tief auch kurze Freundschaften gehen können, bekomme ich mit an Hand von Mails. Zum Beispiel schrieb mir mein Freund, dass die Tage eine Mutter in den Unterrichtsraum gekommen ist und anfing zu weinen. Sie erzählte ihm von unseren Begegnungen während meines Praktikums und dass sie mich ganz einfach vermisst… auch meine ganzen “Was ist das?” Fragen, welche uns alle sehr oft zum Schmuzeln gebracht haben. Habt ihr beispielsweise einmal versucht “Semmelbrösel in einer Fremdsprache zu erklären?
Salvador konnte ich letztendllich von 3 Ebenen kennenlernen:
- 1 Ebene, als Tourist, welcher einfach von der historischen Stadt und ihren natürlichen, kulturellen und baulichen Schönheiten faziniert ist und von der scheinbaren Gemütlichkeit der Bewohner in den Bann gezogen wird.
- 2 Ebene, als hängengebliebener Tourist, von denen es in Salvador sehr viele gibt. Viele Touristen kommen mal für 3 bis 4 Tage nach Salvador und bleiben dann doch Monate, wenn nicht sogar Jahre, da. Man fängt an zu leben, kennt die Menschen in seinen Wohnviertel – zumindestens vom Sehen und weiss, wo man gut einkaufen gehen kann, bzw. auch welche Busse wohin unterwegs sind. Die Hängengeblieben sammeln sich unter anderem im Bispo, einem alternativen Haus, welches durch seine Bewohner sehr international besetzt und mit Brasilianern durchmischt ist. Tagsüber wird den unterschiedlichsten Beschäftigungen nachgegangen, z.B. machen viele in Salvador eine Tanz- und Choreografieausbildung oder lernen bzw. spielen Capoeira .
- Die 3 Ebene kam für mich eher ungeplant, das Leben als Fremder unter Einheimischen. Diese Station war für mich eine ganz neue Situation. Sämtliche Frauen nahmen mich herzlich in ihren Alltag mit auf und brachten mir viele nützliche Sachen bei. So lernte ich immer wieder neue Dinge, z. B., wie man Wäsche auch noch professionell mit den Händen waschen kann, was die typischen und traditionellen Speisen von Bahia sind und wie man sie zubereiten kann. Auch eine Unzahl an neuen Früchten und Gemüsearten lernte ich in Salvador kennen. Es gab mir insgesamt einen Tiefenblick in das bahianische Leben zu Hause, in der Familie, auf Arbeit, beim Sport und in der Freizeit. Ich, als Deutsche, habe dazu noch eine gehörige Portion an gelebter Gastfreundschaft erfahren dürfen.
Leider hat alles ein Ende und so auch mein Aufenthalt in Salvador. Inzwischen hat die Uni in Porto Alegre wieder angefangen und ich habe die Woche meine Wohnungssuche beenden duerfen. Fuer die naechste Zeit wohne ich einer genialen Bibliothek, welche zum Lernen anregt. Die Sonne musste ich nun gegen ein mehr oder weniger Regenwetter eingetauschen. Auch habe ich einen kleinen Schlag bekommen, was den Wechsel von den gastfreundlichen und herzlichen Bahianern zu den doch sehr steifen und distanzierten Gauchoas betrifft. Mit dem Uni- Start haben auch zwangsläufig meine Online-Zeiten wieder stark zugenommen. Von nun an werdet ihr von hier aus wieder etwas regelmässiger auf dem Laufenden gehalten. Entschuldigt, dass die letzten Monate etwas spärlich und still an Informationen verlaufen sind. Demnächst wird es auch wieder farbenfroher, dank meiner neuen Kamera
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