Capoeira
Capoeira ist für mich in den letzten Wochen wirklich ein Bestandteil meines Lebens geworden. Das Training macht nicht nur enormen Spass, sondern man lernt sehr vieles gleichzeitig. Zunächst lerne ich wahrnehmen: wie bewegt sich mein Gegenüber, was täuscht er vor und wo wird er wirklich als nächstes agieren. Was sind seine Lieblingsbewegungen? Wo liegen seine Schwächen? Ich lerne mich, meinen Körper kennen und ihn bewusst einsetzen. Nebenbei wächst die allgemeine Körperfitness ;-). Ich lerne auf meine Gefühle zu vertrauen und einfach aus dem Bauch heraus zu spielen. Für Aussenstehende wirkt es wie ein Tanz, welcher keine Regeln besitzt sondern aus der Situation heraus entsteht. Dabei ist immer eine 100% Aufmerksamkeit und Schutz des eigenen Körpers gefragt. So lautet eine Regel, lasse niemals dein Gegenüber aus den Augen, was eine hohe Konzentration sowohl für die eigenen Bewegungen, als auch für die des Gegenübers fordert.
Capoeira ist mehr als nur ein Sport. Hier trifft man Leute, bei denen ERNÄHRUNG gross geschrieben wird (die ersten, welche ich in Brasilien getroffen habe), eine politische Meinung haben und sich einsetzen. So gehen Teams regelmäßig in Favelas und spielen mit den Kindern Capoeira, um ihnen viele wertvolle Werte für ihr Leben durch das Spiel zu vermitteln. Für schwarze Brasilianer ist Capoeira auch ein Symbol des Freiheitskampfes und des Antirassismus. Wie tief diese Symbolik hierzulande greift, merkt man wenn man in der Woche auf eine Kneipentour von Medizin- und BWLstudenten eingeladen wird und ihnen aufgrund des Trainings absagt. Für sie ist es ein Sport der Schwarzen und nicht Standesgemäß. Umso unverständlicher ist es für sie, dass es bei uns in Deutschland ein beliebter Unisport ist und dieser Sport in ganz Europa Verbreitung findet. Nebenbei lerne ich hier die verschiedensten Instrumente spielen, alte und neue portugiesische Lieder und irgendwann hoffentlich auch einmal neue Lieder improvisieren, wenn es meine Sprachekenntnisse irgendwann einmal zulassen werden.
Darüberhinaus lerne ich auch sehr viel, was es heißt ein Schüler von einem Lehrer zu sein. Für mich entspringen hier unzählige gelebte biblische Vergleiche, die mich herausfordern viele Dinge auch in unsere Gemeinde zu übertragen. Zum Beispie ist es nicht Leiterzentriert, zwar freuen sich alle wenn der Professor da ist, doch es läuft alles auch ohne ihm. Jeder lernt alles und zeigt es jüngeren Schülern. Wir feiern gemeinsam Erfolge und Fortschritte und ermutigen uns sich neuen Herausforderungen zu stellen. Für mich als schwächeren Schüler, aufgrund meines geringen Sprachverständnisses, sind sie enorm geduldig und zeigen die Bewegungsabläufe gern auch ein zweites, drittes oder viertes Mal. Was mir wichtig dabei geworden ist: Capoeira ist nichts was trainiert wird, sondern findet auf der Strasse statt. Wie sieht es mit unseren Glauben aus, wird er nur in der Kirche gefüttert oder findet er auf der Strasse statt?
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Ist in meiner Capoeiraschule, wobei gerade der Maestre von meinen Professor zu Besuch ist.
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